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Die Zukunft von (Karriere-)Messen

(Von Melanie & Holger Vogel, Januar 2021) Als Unternehmer, ausgebildete Innovation-Coaches und Zukunftsinteressierte, ist die Corona-Krise für uns ein beinahe lehrbuchhaftes Beispiel für eine Disruption - vergleichbar wie die Erfindung des Computers oder die Entwicklung des Autos.

Während vor allem das Auto Jahrzehnte brauchte, um einen globalen Wandel in der Mobilität herbeizuführen, gelang es dem Corona-Virus in wenigen Wochen. Während der Computer Jahre brauchte, bis er flächendeckend in Büros zum Einsatz kam, brauchte es zur flächendeckenden Umsetzung des Homeoffices letztlich nur wenige Tage.

Solche "userzentrierten" Verhaltensänderungen, die durch einen äußeren Wandel herbeigerufen und über Wochen und Monate geübt und verinnerlicht werden, kommen, um zu bleiben. Das zeigt zumindest die Innovationsgeschichte.

Und tatsächlich ist es schwer vorstellbar, dass Menschen, die sich über Monate im Homeoffice eingerichtet haben und sich dort wohlfühlen, mit Leichtigkeit wieder zurück an den unternehmenseigenen Schreibtisch beordert werden können. Es ist schwer vorstellbar, dass die Vorzüge von Videokonferenzen und Online-Meetings wieder langen und kostspieligen "Vor-Ort-Meetings" weichen werden. Wahrscheinlicher ist, dass die Arbeitswelt in allen denkbaren Bereichen in den kommenden Wochen und Monaten zutiefst hybrid werden wird.

Das mag auch für Fach- und Karrieremessen gelten, doch insbesondere hier sehen wir tiefgreifende Veränderungen, die unter Umständen sogar eine vollständige Digitalisierung zur Folge haben könnten. Und dafür sprechen zumindest diese Entwicklungen, die sich seit Monaten abzeichnen und immer weiter manifestieren:

  1. Ein Ende des Lockdowns ist derzeit nicht abzusehen. Je länger die Menschen im Lockdown verweilen, umso gewohnter werden digitale Verhaltensweisen und umso mehr wird das mobile Verhalten verlernt. Was der Mensch über Monate nicht tut oder tun kann, wird durch etwas anderes ersetzt. Irgendwann lässt auch die Sehnsucht nach dem Alten nach, weil schlicht und ergreifend das Neue zur Normalität geworden ist.
     
  2. Der Zugang zu (Groß-)Veranstaltungen wird vermutlich reglementiert. Anzunehmen und wahrscheinlich sind derzeit die Vorlage eines negativen PCR-Tests und/oder eine Impfung. Das zumindest ist der politische Tenor und ähnliches verlautet auch aus Verbänden der Reise- und Tourismusindustrie - ebenso wie aus den Verbandsebenen der Veranstaltungsbranche.
     
  3. Die Dienstleister brechen weg. Die Messe Frankfurt hat bereits Mitte Januar 2021 alle Veranstaltungen für das Jahr 2021 abgesagt und auf 2022 verschoben - als frühest möglichem Zeitpunkt, in dem Messen größerer Art wieder möglich sein könnten. Die Pleitewelle in der Messebranche hat aber schon im Sommer 2020 begonnen. Bis 2022 dürften Messebauer, Messetechniker, Caterer und sonstige Event-Dienstleister zu einem echten Veranstaltungsengpass werden. In der Folge werden die Kosten explodieren. Angebot und Nachfrage werden die Märkte hier massiv regulieren.
     
  4. Vorsicht und Risiko-Sensibilität der Menschen sind gestiegen. Nach vielen Monaten Pandemie-Angst und Social Distancing verspüren viele Menschen schlicht und ergreifend kein Bedürfnis mehr, auf (Groß-)Veranstaltungen zu gehen. Messebesuche werden für viele Menschen verzichtbar - vor allem, wenn es digitale Alternativen gibt. Selbstverständlich wird es zukünftig weiter Veranstaltungen geben, doch wir denken, dass es - zumindest in den kommenden 2-3 Jahren - auf eher kleinere, intimere, einfach zu kontrollierende Veranstaltungen hinauslaufen wird, bei denen das wirtschaftliche und gesundheitliche Risiko für alle Beteiligten besser zu händeln sein wird.
     
  5. Der unternehmerische Verbots- und Gebotsrahmen ist enger geworden – und der lautet: Kein Besuch von Präsenzveranstaltungen, bis sich „die Lage“ beruhigt hat. Doch wann wird das sein? Niemand weiß es. Daher besteht weder für Veranstalter, noch für potenzielle Aussteller Planungssicherheit.
     
  6. Haftungsfragen sind ungeklärt. Seit fast einem Jahr ist die rechtliche und haftungsrechtliche Lage für Messe- und Eventveranstalter undurchsichtig und extrem volatil. Wer haftet für potenzielle Ansteckungsrisiken - selbst wenn alle AHA-Regeln eingehalten werden? Diese Haftungsfragen sind über derzeitige Veranstalterhaftpflichtversicherungen kaum bis gar nicht abgedeckt und stellen ein Risiko für Veranstalter - aber auch für Aussteller und Messebesuchende dar.

Nach über 20 Jahren Event- und Messebusiness und über 120 veranstalteten Messen und Kongressen kommen wir daher zu der sachlichen Erkenntnis, dass die Pandemie eine - im Schumpeter'schen Sinne - schöpferische Zerstörung in der gesamten Branche initiiert hat, die innovatives Handeln von allen Beteiligten erfordert. Mit GENIAL! DIGITAL. stellen wir uns dieser Herausforderung mit Neugier, Kreativität und Innovationskraft - so, wie es unsere Kunden seit mehr als 20 Jahren von uns kennen.

Das heißt nicht, dass wir nie wieder Live-Veranstaltungen machen. Der Weg zurück ist leicht. Doch wir denken, dass der leichte Weg derzeit nicht der Weg ist, der uns und unsere Kunden ins Wachstum bringt. Die Digitalität ist da. Und sie bleibt.